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Laut einer Psychologin gibt es sieben Gründe, warum es schwieriger ist, Freunde zu finden und zu halten, wenn man ADHS hat


alvarez/Getty Images

Laut einer Psychologin kann es bei ADHS schwieriger sein, Freunde zu finden und zu halten.

Sie sagte, dass Vergesslichkeit und „Zoning out“, Merkmale von ADHS, sich auf Freundschaften auswirken können.

Emotionale Dysregulation und Empfindlichkeit gegenüber Ablehnung können ebenfalls zu Konflikten führen.

Als erwachsene Person eine Freundschaft zu bilden — und zu halten — kann eine Herausforderung sein. Auch, weil das Leben immer hektischer wird und Menschen manchmal in unterschiedliche Richtungen gehen.

ADHS kann zusätzliche Hürden bedeuten

Megan Neff ist eine klinische Psychologin, spezialisiert in ADHS und Autismus und bei ihr wurden beide Erkrankungen diagnostiziert. Sie erzählte Business Insider US, dass neurotypische Erwartungen an eine Freundschaft — zum Beispiel häufige Rückmeldungen oder Nachrichten — für Menschen mit ADHS schwer zu erfüllen sein könnten.

Neff teilte ein paar häufige Gründe, warum es für Menschen mit ADHS schwierig sein kann, eine Freundschaft aufrechtzuerhalten — und Tipps, die helfen können.

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1. Es können Monate vergehen, ohne dass ihr bemerkt, dass ihr euch nicht mehr gemeldet habt.

Während Menschen mit ADHS extrem fokussiert und anwesend sein können, weil ein Freund direkt vor ihnen steht, kann das Gegenteil passieren, wenn sie nicht physisch bei ihnen sind. „Viele Menschen mit ADHS erleben Zeitagnosie, was bedeutet, dass wir dazu neigen, eine ‚aus den Augen, aus dem Sinn‘-Erfahrung zu haben“, erklärt Neff. Das könne dazu führen, dass sich weit entfernte Freunde vernachlässigt fühlen.

Tipp: Versucht euch Erinnerungen zu setzen, euch bei anderen zu melden. Wenn ihr wisst, dass es für jemanden, der euch nahe steht, wichtig ist, mehr Kontakt zu haben, helfen automatische Erinnerungen, sagt Neff. Das können Erinnerungen für Anrufe oder SMS an Freunde sein, die euch stressfrei an eure Kontakte erinnern.

2. Ihr könnt unwissend Menschen unterbrechen oder das Gespräch übernehmen.

Ein häufiges Anzeichen von ADHS ist es, unbewusst Menschen in Gesprächen zu unterbrechen oder gar nicht erst zu merken, dass ihr schon viel zu lange redet.

Tipp: Neff schlägt vor, euch selbst mehr — aber vorurteilsfrei — im sozialen Umfeld zu beobachten. Versucht, einige Gewohnheiten wahrzunehmen und Anpassungen vorzunehmen — ohne, euch selbst dafür zu verurteilen.

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3. Ihr könnt die Konzentration verlieren oder Details aus dem Leben eines Freundes übergehen.

Ein anderes ADHS Symptom ist, sichtlich den Fokus zu verlieren, wenn ein Freund redet. Während jemand euch von seinem Tag erzählt, habt ihr vielleicht Probleme, euch zu konzentrieren. Am Ende denkt ihr über etwas total anderes nach und verliert einen besonderen Moment, in dem ihr euren Freund hättet unterstützen können.

Tipp: Seid offen darüber, wie euer Gehirn funktioniert. Denn eure Freunde merken häufig, wenn ihr den Fokus verliert. Neff empfiehlt, einfache Bestätigungen, wie „Ups, meine Gedanken schweifen ab“ oder „Kannst du den letzten Teil wiederholen?“, viel bewirken können.

„Es ist wirklich wertvoll, wenn wir offen und ehrlich über unsere Erfahrungen sein können“, sagt sie, „besonders, wenn die andere Person versteht, dass es sich nicht um eine persönliche Beleidigung handelt, sondern einfach um eine Facette der Funktionsweise unseres Gehirns.“

4. Ihr könnt starke Reaktionen haben, die ihr später bereut.

Menschen mit ADHS haben öfter Schwierigkeiten mit der emotionalen Dysregulation oder mit unverhältnismäßig heftige Reaktionen, wenn sie aufgebracht oder sauer sind. Megan Neff erklärt, dass das die Freundschaft belasten kann, da es „zu Missverständnissen oder größeren Emotionen führen kann, die es zu bewältigen gilt.“

Tipp: Übt eure Achtsamkeit. Neff rät, dass ihr „Herabregulierungsstrategien lernen müsst“, um die emotionale Dysregulation zu bewältigen. In Therapien, wie der kognitiven und der dialektischen Verhaltenstherapie lernt ihr, Emotionen zu erkennen und gelassen auf sie zu reagieren. Es gibt auch schnelle Achtsamkeitsübungen, die ihr ausprobieren könnt, um euch zu beruhigen, wenn ihr euch aufgewühlt fühlt.

5. Ihr reagiert empfindlicher auf Ablehnung.

Die ablehnungsempfindliche Dysphorie (RSD) ist mit der emotionalen Dysregulation verbunden und steht auch mit ADHS in Zusammenhang. „Wir neigen dazu, Ablehnung einfacher zu bemerken“, erklärt Neff. „Das kann entweder zu unnötigen Konflikten führen oder wir vermeiden Freundschaften, weil wir Angst vor Kritik und Ablehnung haben.“

Tipp: Die Ablehnung neu einordnen. Neff sagt, dass RSD „oft dazu führt, dass wir Ablehnung wahrnehmen, wenn sie nicht da ist“. Sie sagt, dass kognitives Umdenken euch dabei helfen könne, Ablehnung nicht mehr wahrzunehmen. Wenn ihr zum Beispiel jemandem schreibt und sie nicht zurückschreiben, könnt ihr umdenken, dass die Person gerade beschäftigt ist. Schreibt ihnen lieber eine zweite Nachricht, als gleich anzunehmen, dass sie euch bewusst ignorieren.

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6. Ihr seid nicht ganz ihr selbst, weil ihr euer ADHS maskiert.

Maskieren — also ADHS- oder Autismus-Symptome verstecken — ist eine Angewohnheit, die entsteht, wenn ihr versucht, dazuzugehören. Ihr seid euch eurer ADHS-Symptome bewusst und sich dem Umfeld und Freunden anzupassen, sei nicht unbedingt schlecht. Aber Neff sagt auch, dass dies in die Maskierung übergehen kann, wenn man zu selbstkritisch ist und eure wahre Persönlichkeit unterdrückt. Über die Zeit können soziale Interaktionen durch das Maskieren anstrengend werden.

Tipp: Bemerkt, wenn ihr zu „People-Pleasern“ werdet, was zur Maskierung führen kann. „Es ist essenziell, das spezifische Reaktionsmuster zu identifizieren“, sagt sie. Es gebe verschiedene Strategien, die euch helfen, langsam zu lernen, wie ihr mehr ihr selbst werdet.

7. Eure Freundschaft erfordert zu viel Pflege.

Manchmal fällt es neurotypischen Menschen schwer, euch zu verstehen. Wenn ihr vergesst, eine Nachricht zu schreiben oder den Fokus verliert, „können Konflikte entstehen, wenn jemand in unserem Leben das persönlich nimmt“, erklärt Neff. Deswegen ist es ihrer Meinung nach wichtig, dass Menschen, die euch nahe stehen, verstehen, wie euer Gehirn funktioniert.

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Aber selbst dann kann laut Neff die „Aufrechterhaltungsphase“ der meisten neurotypischen Freundschaften schwierig sein. Das können zum Beispiel Situationen beim Aufrechterhalten großer Gruppenchats oder das einfache Erinnern daran sein, sich bei einem weit entfernten Freund zu melden, selbst, wenn ihr euch angepasst habt.

Tipp: Schafft Freundschaften mit Menschen, die euch verstehen. Neff erklärt, dass sie am besten mit Freunden zurechtkommt, die mit weniger täglicher Interaktion einverstanden sind. Das sind die „Arten von Freundschaften, bei denen wir uns ein paar Mal im Jahr sehen können, in die Tiefe gehen und wissen, dass wir uns in der Zwischenzeit umeinander kümmern, auch wenn wir nicht ständig schreiben und uns gegenseitig im Auge behalten“, sagt sie.

Euer zukünftiger bester Freund könnte sehr gut eine andere Person mit ADHS sein — jemand, der euch mühelos versteht.

Der Text wurde von Muriel Dittmar aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

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Author: Robert Kaufman

Last Updated: 1702466042

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